Ein Employer-Branding-Video erstellen: Ein 5-Schritte-Leitfaden für Unternehmen
Von Charlotte Carnehl
Wenn ein Bild mehr als 1.000 Worte sagt, kann ein gutes Video oft mehr vermitteln als eine lange Karriereseite. Es ist also kein Wunder, dass die Zahl der Employer-Branding-Videos in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist. Unternehmen nutzen sie, um sich von Wettbewerbern abzuheben und großartige MitarbeiterInnen zu gewinnen und langfristig zu binden.
Aber was macht ein wirklich gutes Employer-Branding-Video aus? Und welche Schritte solltest du beachten, wenn du eines für dein Unternehmen planst?
Unser kleiner Leitfaden hilft dir dabei – also legen wir direkt los!
Was ist Employer Branding?
Employer Branding umfasst alles, was dein Unternehmen tut, um die Wahrnehmung zu beeinflussen, die andere von dir als Arbeitgeber haben – also (potenzielle) BewerberInnen, aktuelle MitarbeiterInnen oder andere wichtige Stakeholder. Ziel von Employer Branding ist es, ihnen eine Vorstellung von deinen Produkten oder Dienstleistungen, deinen Unternehmenswerten und davon zu vermitteln, wie es sein könnte, bei dir zu arbeiten.
Mit einem Employer-Branding-Video kannst du all das besonders anschaulich vermitteln. Stimmen von MitarbeiterInnen, Aufnahmen aus dem Büro oder der Remote-Arbeitsumgebung – möglicherweise begleitet von passender Hintergrundmusik – helfen KandidatInnen, eure Arbeit und Unternehmenskultur besser zu verstehen. Gut gemacht, transportieren Employer-Branding-Videos positive Emotionen und wecken Begeisterung – oft wirkungsvoller als reiner Text. Laut Stories Incorporated erzielen Stellenanzeigen mit Video eine um 34 % höhere Bewerbungsrate als solche ohne. Außerdem kannst du Videos über verschiedene Kanäle teilen und so eine deutlich größere Zielgruppe erreichen.
Jetzt, da du die Wirkung von Employer-Branding-Videos kennst, schauen wir uns die wichtigsten Schritte an, um eines zu erstellen, das dein Unternehmen wirklich repräsentiert.<br>
5 Schritte zu deinem idealen Employer-Branding-Video
Schritt 1: Schaffe die richtigen Grundlagen
Bevor du dich in das Schreiben eines Skripts vertiefst oder darüber nachdenkst, welche MitarbeiterInnen oder SchauspielerInnen in deinem Video auftreten sollen, solltest du zunächst sicherstellen, dass die grundlegenden Voraussetzungen stimmen.
Ein Employer-Branding-Video vermittelt, was dein Unternehmen im Kern ausmacht. Deshalb solltest du sicherstellen, dass du die Antworten auf die folgenden Fragen kennst:
Was sind euer Purpose, eure Vision und Mission?
Wie lässt sich eure Unternehmenskultur beschreiben?
Was ist eure Employee Value Proposition (EVP) – also was bietet euer Unternehmen seinen MitarbeiterInnen?
Schritt 2: Definiere dein Ziel und deine Zielgruppe
Sobald du Klarheit darüber hast, wer ihr als Unternehmen seid und was ihr bietet, solltest du festlegen, welches Ziel dein Video verfolgt und welche Zielgruppe du ansprechen möchtest:
Was möchtest du erreichen? Du kannst dir darüber zum Beispiel so Gedanken machen: „Unser Video ist erfolgreich, wenn es …“. Die Möglichkeiten, diesen Satz zu vervollständigen, sind vielfältig: Vielleicht soll das Video euch dabei helfen, Talente anzuziehen und die Zahl relevanter Bewerbungen zu erhöhen, euer Arbeitgeberimage zu stärken oder eure Unternehmenskultur sichtbar zu machen.
Wen möchtest du erreichen? Sei möglichst konkret, wenn du deine Zielgruppe definierst. Liegt der Fokus auf Recruiting, solltest du dir überlegen, welche Talente du ansprechen möchtest: Welche Sprache sprechen sie? Interessieren sie sich eher für die Inhalte ihrer potenziellen Rolle oder für die Menschen, mit denen sie zusammenarbeiten werden? Und möchtest du sie direkt ansprechen, zum Beispiel mit einem klaren Call-to-Action?
Schritt 3: Wähle deinen "Typ"
Im nächsten Schritt solltest du überlegen, welche Art von Video du erstellen möchtest. Du kannst zum Beispiel die Führungskräfte deines Unternehmens interviewen, einen Blick hinter die Kulissen geben, Erfahrungsberichte von MitarbeiterInnen zeigen oder mit SchauspielerInnen beziehungsweise Animationen arbeiten – die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt.
Es gibt dabei kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist jedoch, dass das gewählte Format gut zu deinem Unternehmen passt und zu den Zielen, die du mit deinem Video erreichen möchtest.
Um zu zeigen, was wir meinen, haben wir uns vier Employer-Branding-Videos genauer angesehen. Sie geben dir einen Eindruck davon, welche Formate es gibt, und können dir dabei helfen, den passenden „Typ“ für dein eigenes Video zu definieren.
Beispiel 1: Das „humorvolle und authentische“ Video – Life at Figures
Figures ist eine französische Plattform für Compensation Management, die 2020 gegründet wurde. Aktuell besteht das Team aus 35 MitarbeiterInnen. Hier ein kurzer Überblick über ihr Video:
Was sehen wir? Figures zeigt MitarbeiterInnen als Testimonials und stellt außerdem ihren CEO Virgile Raingeard prominent vor. Zu sehen ist ihr Open-Space-Büro mit vielen Pflanzen, Musikpostern und einer Gitarre an der Wand – insgesamt entsteht ein klarer Start-up-Vibe. Das Video wirkt, als wäre es mit relativ einfachem technischem Equipment aufgenommen worden.
Was hören wir? Figures zeigt außerdem die Vielfalt des Teams, indem MitarbeiterInnen ihre Testimonials jeweils in ihrer eigenen Sprache geben, begleitet von englischen Untertiteln.
Was sticht heraus? Dieses Video ist voller Selbstironie: Virgile macht unterstützte Klimmzüge, MitarbeiterInnen sprechen hinter einer Pflanze hervor, ziehen sich gegenseitig damit auf, dass das Figures-Logo an Facebook erinnert, und müssen den Kaffee beim CEO bezahlen. Aber sieh am besten selbst 😊
Unser Resümee: Das Video wird dem Figures-Wert „Why so serious?“ gerecht: "You don’t have to be serious to do serious work. We value fun in our day to day and we try not to be boring in our communication.” Vor allem vermittelt das Video einen authentischen Einblick in genau diesen Teil der Unternehmenskultur von Figures.
Beispiel 2: Das "persönliche und inhaltsgetriebene" Video - RealTalk@ZEISS
ZEISS ist ein deutsches Technologieunternehmen aus der optischen und optoelektronischen Industrie mit mehr als 38.000 MitarbeiterInnen. Hier ein kurzer Überblick über ihr Video:
Was sehen wir? ZEISS zeigt MitarbeiterInnen als Testimonials. Sie sitzen vor einem weißen Hintergrund, während schnelle Schnitte von einer Person zur nächsten wechseln. Visuell ist das Video sehr schlicht, wirkt aber gleichzeitig technisch hochwertig und professionell produziert.
Was hören wir? Die MitarbeiterInnen gehen darauf ein, wofür ZEISS steht, in welchen Bereichen sie arbeiten und was sie verbindet: der gemeinsame Anspruch, Dingen wirklich auf den Grund zu gehen (zum Beispiel der Frage: „Ist das eine Krebszelle oder nicht?“). Sie betonen, dass sie zu den Besten ihrer Branche gehören und dass jedes Teammitglied seine eigene „Superkraft“ einbringt. Wer passt hingegen nicht zu ihnen? Menschen, die sich nur auf ihren persönlichen Aufstieg konzentrieren oder sich über das Team stellen. Die meisten sprechen Deutsch, einige Aussagen sind aber auch auf Englisch. Die Musik erinnert größtenteils an den Soundtrack einer spannenden Filmszene und sorgt für eine dramatische Atmosphäre. Das Video endet mit einem klaren Call-to-Action, der sich direkt an KandidatInnen richtet: Jetzt bewerben!
Was sticht hervor? Dieses Video ist minimalistisch gestaltet, da es sich vollständig auf das konzentriert, was die MitarbeiterInnen sagen – im Hintergrund gibt es keine Ablenkungen. Dadurch stehen die MitarbeiterInnen klar im Mittelpunkt.
Unser Resümee: Das ZEISS-Video hat einen starken inhaltlichen Fokus und ist eher sachlich gehalten. Es zeigt die Vielfalt der Rollen und Fachbereiche im Unternehmen und vermittelt zugleich, dass die MitarbeiterInnen durch ihre innovative und anspruchsvolle Arbeit motiviert sind und Zusammenarbeit einen hohen Stellenwert hat.
Beispiel 3: Das "coole" Video - Work #LikeABosch
Bosch ist ein deutsches Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit mehr als 400.000 MitarbeiterInnen weltweit. Hier ein kurzer Überblick über ihr Video:
Was sehen wir? Bosch hat sich für dieses Video entschieden, mit SchauspielerInnen zu arbeiten. Sie tragen lässige Kleidung und wirken stilistisch wie kosmopolitische Hipster. Zu sehen sind Szenen aus dem Büroalltag: Post-its werden wie Spielkarten gemischt, es wird Tischkicker gespielt oder von zu Hause aus gearbeitet – sogar mit Tierhausschuhen an den Füßen. In regelmäßigen Abständen erscheinen Einblendungen mit Fragen wie „Looking for a job with a mission or a vision?“ oder „You live innovation?“, gefolgt von der Aussage „Like a Bosch“. Die letzte Sequenz zeigt einen schriftlichen Call-to-Action, der KandidatInnen dazu auffordert, ihre passende Position im Unternehmen zu finden.
Was hören wir? Im Gegensatz zu unseren anderen Beispielen spricht in diesem Video niemand. Stattdessen läuft ein eingängiger Soundtrack, und der Slogan „Like a Bosch“ wird immer wieder wiederholt.
Was auffällt: Dieses Video könnte fast als Musikvideo durchgehen, da Stil, Bewegung und Tanz stark im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig zeigt es die Flexibilität, die Bosch seinen MitarbeiterInnen beim Arbeitsort bietet, indem es geschickt klassische Büroszenen mit Homeoffice-Situationen kombiniert.
Unser Resümee: Das Video ist auf der aufwendigeren und stärker produzierten Seite angesiedelt. Besonders erfolgreich ist es, den Slogan „Like a Bosch“ im Kopf zu verankern und nachhaltig im Gedächtnis zu hinterlassen.
Beispiel 4: Das „cinematische“ Video – SodaStream
SodaStream ist ein in Israel ansässiges Produktionsunternehmen, das vor allem für seine Wassersprudler bekannt ist und rund 4.000 MitarbeiterInnen beschäftigt. Hier ein kurzer Überblick über ihr Video:
Was sehen wir? Der ehemalige SodaStream-CEO Daniel Birnbaum nimmt die ZuschauerInnen mit auf einen Rundgang durch das Büro und das Lager des Unternehmens. Gleich zu Beginn betont er SodaStreams Mission, die Welt von Plastikmüll zu befreien. Birnbaum erklärt, dass sie nach neuen „people that can move mountains“ suchen – woraufhin er auf „The Mountain“ aus Game of Thrones trifft, der im Laufe des Videos immer wieder auftaucht. In den folgenden Szenen zeigt Birnbaum, welche Eigenschaften ihre idealen MitarbeiterInnen mitbringen sollten. Beim Verlassen des Lagers wird Birnbaum von Dutzenden MitarbeiterInnen begleitet und hebt dabei die Vielfalt des Teams hervor. Am Ende erscheint eine schriftliche Botschaft, die die ZuschauerInnen dazu aufruft, „join the revolution“.
Was hören wir? Birnbaum fungiert in diesem Video als Erzähler und spricht direkt über die Werte des Unternehmens und die Art von MitarbeiterInnen, die SodaStream sucht. Seine Stimme wird von dramatischer Musik begleitet, die beim Publikum ein Gefühl von Dringlichkeit und Bedeutung erzeugt.
Was ist auffällig? Dieses Video deckt viele Aspekte ab: Birnbaum nimmt uns mit durch das Unternehmen und gibt Einblicke zu Menschen und Arbeitsumgebung. Gleichzeitig liegt der Fokus stark auf Birnbaum als CEO – und natürlich darauf, dass SodaStream einen wiedererkennbaren Schauspieler eingebunden hat.
Unser Resümee: Das Video kombiniert ernste und humorvolle Elemente und vermittelt einen umfassenden Überblick über SodaStreams Mission und ihre Recruiting-Ziele. Gleichzeitig hat es eine gemeinschaftliche und zukunftsorientierte Note, die KandidatInnen dazu ermutigt, Teil von etwas Größerem zu werden.
Diese vier Beispiele geben dir einen Eindruck von der Vielfalt an Employer-Branding-Videos. Die Unternehmen haben jeweils unterschiedliche Aspekte ihrer Arbeitgebermarke hervorgehoben, die wiederum verschiedene Zielgruppen ansprechen.
Hast du jetzt viele große Ideen? Dann schauen wir, welche davon du tatsächlich umsetzen kannst!
Schritt 4: Durchführung eines Realitätschecks
Sobald du eine klarere Vorstellung davon hast, wie dein ideales Employer-Branding-Video aussehen soll, ist es Zeit für einen Reality-Check. Wir empfehlen dir, dir dazu die folgenden Fragen zu stellen:
Welches Budget hast du zur Verfügung und wie möchtest du es einsetzen? Dein Budget beeinflusst den Umfang, die Produktionszeit und den Grad der Professionalität deines Videos. Ein größeres Budget eröffnet dir zwar mehr Möglichkeiten, aber auch mit kleinerem Budget lassen sich wirkungsvolle Videos erstellen – es gibt also keinen Grund zur Sorge, wenn du sparsam planen musst.
Wie viel Zeit steht dir für die Fertigstellung des Videos zur Verfügung? Du solltest auch deine Deadline berücksichtigen und überlegen, wie viel Zeit dein Team in den Prozess investieren kann. Je nach Dringlichkeit kann es sinnvoll sein, zusätzliche Unterstützung hinzuzuziehen.
Möchtest du alles selbst machen oder dich von einer Agentur unterstützen lassen? Dein Zeitplan und dein Budget sind entscheidend für die Antwort auf diese Frage. Dank moderner Technologien und je nach den Fähigkeiten deines Teams kannst du vieles selbst umsetzen. Eine Agentur bringt zusätzliche Expertise mit und wird in der Regel ein professioneller produziertes Video für dich erstellen.
Möchtest du SchauspielerInnen oder echte MitarbeiterInnen zeigen? Beide Optionen haben ihre Vor- und Nachteile: Echte MitarbeiterInnen können authentischer wirken, gleichzeitig kann es aber schwierig sein, sie vor die Kamera zu bekommen – und es kann auch heikel werden, wenn sie später das Unternehmen verlassen. Welche Lösung du wählst, hängt letztlich davon ab, was sich für dich richtig anfühlt und was für dein konkretes Vorhaben am besten umsetzbar ist.
Schritt 5: Und Action!
Die wichtigsten Entscheidungen sind getroffen und es kann losgehen! Hier ist, was du als nächstes tun musst:
Entwickle dein Konzept und Drehbuch (Kernbotschaft, Tonfall usw.)
Plane und organisiere die Produktion (Standort, Ausrüstung, Personal usw.)
Drehe das Video!
Zeit für Schnitt und Nachbearbeitung einplanen
Verbreite euer neues Video in der Öffentlichkeit
Herzlichen Glückwunsch! Wenn du diese Schritte umgesetzt hast, hast du hoffentlich ein Video erstellt, mit dem du zufrieden bist, das zeigt, wofür dein Unternehmen steht, und das dich dabei unterstützt, deine Ziele zu erreichen.
👉 Möchtest du Unterstützung dabei, die Grundlagen für dein Employer-Branding-Video zu schaffen? Dann melde dich gerne bei uns. Wir unterstützen dich dabei, deine EVP (Employer Value Proposition), Personas oder deine gesamte Employer-Branding-Strategie zu definieren.